Montag, 18. September 2017

Castingshow von Andreas Acker

Zehn Autoren ziehen in ein abgelegenes Hotel, betraut allein mit der Aufgabe, ihren bestmöglichen Roman zu verfassen. Dabei werden sie von Dutzenden Fernsehkameras und Millionen Zuschaueraugen beobachtet. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist ihnen strikt untersagt und wird mit Ausschluss aus der Show geahndet.

Es gibt kaum Dinge, zu denen der unter einer Schreibblockade leidende Arne weniger Lust hätte, als an der Castingshow teilzunehmen. Doch als sein Agent ihm die Pistole auf die Brust setzt, zieht er in das Hotel ein und nimmt an der Show teil.

Schon nach kurzer Zeit geschehen seltsame Dinge im Hotel. Nicht nur, dass sich nicht alle Autoren an die strengen Spielregeln zu halten scheinen, wird Arne auch Nacht für Nacht von einer schreienden Frau aus dem Schlaf gerissen. Außerdem wird er gegen seinen Willen immer tiefer in die Intrigen seiner Mitstreiter hineingezogen. Und dann ist da noch der Fernsehsender, der aus Quotendruck die Konflikte unter den Teilnehmern schürt.

Und so schreitet die Show voran, Stunde um Stunde auf das spektakuläre Finale zu. Ein Finale, wie es nicht im Drehbuch steht ...

Zehn Autoren, denen man beim Schreiben zuschaut – ambitioniert, dachte ich mir. Daraus einen Krimi, einen Thriller gar, zu machen, das war bestimmt nicht leicht. Natürlich waren Intrigen vom Fernsehsender zu erwarten, um Stimmung zu machen, Trotzdem fand ich das einen gewagten Plot, zumal der Ich-Erzähler auch noch der Kerl mit der Schreibblockade ist.

Ich begann also zu lesen und war begeistert. Man konnte sich gut vorstellen, wie solche Castingshows laufen (Big Brother lässt grüßen). Arne erzählt unterhaltsam, ein paar Twists in der Handlung bringen Spannung hinein.

Doch ab der zweiten Hälfte des Buches fragt man sich langsam, ob Arne wirklich so begriffstutig ist, wie er sich gibt. Außerdem gehen seine teilweise doch recht bemühten Sprachbilder zunehmend auf den Geist.
Etliche Fragen und Probleme bleiben außerdem in der Luft hängen und werden nie beantwortet. So fragt man sich, was Isabell an dem Loser (denn das ist Arne wirklich) findet und warum seine Exfrau immer noch so an ihm hängt. Arne, ein Womanizer? Also bitte! Und kommt der Typ vielleicht mal auf die Idee, sich mit der schönen Isabell auszusprechen? Nö.
Überhaupt werden die Figuren immer unglaubwürdiger, je weiter die Handlung voranschreitet. Letztlich wirkt einfach alles übertrieben, unnatürlich und total überzeichnet. Es tauchen immer mal Fragen auf, die bis zum Schluss unbeantwortet bleiben und eher unrealistische Ereignisse häufen sich.

Vor allem aber nervt der Schluss. Was macht ein Autor, wenn er eine spektakuläre Wende braucht, ihm aber nichts mehr einfällt? Richtig, er lässt jemanden dem Wahnsinn verfallen. Auch hier – Achtung, Spoiler – dreht mal eben einer durch und wird verrückt. Und eine zweite Figur entpuppt sich dann auch noch als noch übergeschnappter als erwartet. Da kommt man sich als Leser doch ziemlich veralbert vor.

So habe ich das Buch also mit Begeisterung begonnen und hatte mir schon überlegt, wie ich es loben würde. Doch jetzt bin ich einfach nur noch verärgert. Und eines ist sicher. Nie wieder ein Buch von diesem Autor!