Montag, 11. Dezember 2017

Das Haus der zwanzigtausend Bücher von Sasha Abramsky

Ein Haus voller Bücher, in dem Abend für Abend eine illustre Gästeschar lebhaft diskutierte. Als Kind kam Sasha Abramsky dies ganz selbstverständlich vor. Erst viel später wurde ihm bewusst, welcher Schatz sich hinter der unauffälligen Fassade dieses Londoner Reihenhauses verbarg: Sein Großvater Chimen, der 2010 hochbetagt starb, hatte im Laufe seines Lebens geschätzte zwanzigtausend Bücher zusammengetragen und eine der bedeutendsten Privatsammlungen Englands geschaffen – zugleich ein Spiegel der großen gesellschaftspolitischen Debatten des 20. Jahrhunderts. Voller Zärtlichkeit erinnert sich Abramsky an seinen Großvater und dessen unvergleichliche Sammlung – ein einzigartiges Vermächtnis.

Die Taschenbuchausgabe wurde um das Vorwort von Sasha Abramsky erweitert, der im September 2016 erfuhr, dass seine Großeltern vom britischen Inlandsgeheimdienst überwacht wurden.


Dieses Buch hat alles, um heutzutage mit Preisen überhäuft zu werden: Antisemitismus, Kommunismus, Marx, Stalin, die Weltkriege, Bespitzelung. Es ist politisch und geschichtsträchtig und zwar von der richtigen Seite gesehen – der der Opfer. So gesehen kein Wunder, dass dieses Buch über den grünen Klee gelobt wird.

Der Autor schildert in seinem Buch das Leben seines Großvaters Chimen Abramsky, der eine zentrale Rolle in der jüdischen Gemeinschaft Englands einnimmt. Er ist nicht nur ein hochrangiges Mitglied der jüdischen Gemeinschaft weltweit, sondern auch ein Gelehrter und Experte der jüdischen Literatur. Entsprechend sah sein Haus aus: Bücher wohin man schaute, zweireihig in Regalen, gestapelt auf Tischen und dem Boden. Und dieses Haus war täglicher Treffpunkt der Intellektuellen dieser Zeit.

Das ist alles hochinteressant und lehrreich – aber der Stil ist doch ziemlich trocken und ich musste mich sehr bemühen, dabei zu bleiben. Es war zeitweilig wirklich anstrengend. Die jahrelange akribische Recherche des Autors in allen Ehren – wirklich eine Leistung – aber die Umsetzung der Ergebnisse in ein beeindruckendes Buch ist nicht wirklich geglückt. Irgendwie wartet man immer darauf, dass ein Höhepunkt kommt, ein Spannungsbogen geschlagen wird. Aber nicht dergleichen passiert. Zugegebenermaßen lag das auch daran, dass ich eigentlich ein Buch über Bücher erwartet hatte und kein politisches. Der Titel und der Klappentext sind da doch etwas irreführend. So gesehen kam mir einfach zu viel Marxismus darin vor.

Das Buch ist sicher lesenswert für Menschen, die sich genau dafür interessieren. Leider gehöre ich nicht dazu.